Atelier an den Schwalm Auen

Johann Josef Föhles

     FINE ART


Mein Verständnis von Malerei
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gründet sich auf Jugenderlebnisse mit meinem Vater, der Sch üler von
Johann Heinrich Gillessen (1910 – 1997)
und ein enger Malerfreund meines Vaters war. Gillessen war Initiator der Mönchengladbacher Kunstgemeinschaft "Die Planke" 1951). Er verkörpert den niederrheinscher Landschaftsmaler in der Tradition des Vor- und Frühimpressionismus. Ich denke, dass hier in meiner Kindheit die Wurzeln für mein lebenslanges Interesse an der Malerei zu suchen sind. Das Zuhören und die Gedankenaufnahme der zwei Menschen welche Seelenverwandte waren, war für mich schon als Kind ein besonderes Ereignis. Es ist bis heute eine bleibende Erinnerung.
Mit 10 Jahren erprobte ich mei Können in der Malerei unter Anleitung meines Vaters in den Techniken der Grafik und ölmalerei, experimentierte mit Farbe und entwickelte erste Kompositionen in Anwendung der Perspektive.

Johann J. Föhles


Johann Heinrich Gillessen
ein großer Maler
images/Seite3-klein.jpg Wolfhart Gillessen
für meinen Vater,
und freut euch an dem was bleibt ...


Liebe Verehrerinnen und Verehrer von Johann-Heinrich Gillessen

Ich freue mich, dass sie heute hier so zahlreich erschienen sind, um mit uns den 100. ten Geburtstag meines Vaters zu feiern! Im Sommer 1926 kam er erstmals auf einer Klassenfahrt nach Brüggen und besuchte Pfarrer Röttgen, der sehr modern den Jungs einen Radioempfänger mit großer Antenne vorführte. Etwa zu dieser Zeit wurde in MG im Schaufenster des Anstreicher-Geschäfts von Heinrich Gillessen, -das ist der Vater-, eine Eifellandschaft des damals bekanntesten Eifelmalers Fritz von Wille (1860–1941) ausgestellt. Dieser drohte gerichtliche Schritte an und mein Großvater konnte die Anklage nur mit den Verweis auf das jugendliche Alter seines Sohnes , der diese Kopie erstellt hatte, abwenden. Farben und Pinsel gab es genug, nur an der Leinwand mangelte es, und so malte mein Vater seine Bude im Dachgeschoss aus: Wände, aber auch die Türen und Fenster. Etwa drei Jahre später lernte mein Vater auf dem Schulweg zum humanistischen Gymnasium seine große Liebe und spätere Ehefrau, meine Mutter Katharina Derwahl kennen. Nach dem Abitur begann das Studium an der (als ROT verschrienen) Kunsthochschule Düsseldorf (mit Sport im Winter in den vereisten Rheinwiesen, sofort nach der Machtergreifung 1933) und erst als er dann als Meisterschüler bei Professor Max Clarenbach abschloss, wurde 1935 gegen die Bedenken der Schwiegereltern geheiratet: Armer Maler heiratet wohlhabende Kaufmannstochter und bekommt zur Hochzeit ein freistehendes EF-Haus in Brüggen geschenkt! Zwar wenig Geld, aber beginnende Karriere und erste große Ausstellungserfolge! 1936 Geburt meines Bruders Karl-Heino, 1939 Geburt meiner Schwester Heide. Diese beginnende Erfolgsstory wurde jäh unterbrochen durch den Krieg, mein Vater diente sechs Jahre als Frontsoldat. Er war Offizier, konnte künstlerisch praktisch nicht weiterarbeiten. Und nach 1945 kamen weitere 10 Jahre, in denen mit Bilder verkaufen nichts zu verdienen war. Zudem wurden die gegenständlich malenden Künstler dem Generalverdacht ausgesetzt, Hitlerfreunde gewesen zu sein. Wenn überhaupt Geld für Kunst ausgegeben wurde, war die Abstrakte Malerei In. Als dann erst 1949 meine Schwester Christa und 1950 ich hier in Brüggen geboren wurden, begann aus der Not heraus das zweite berufliche Leben meines Vaters: er wurde leidenschaftlicher Pädagoge, Kunsterzieher!

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öffentliche Auftritte liebte mein Vater, etwa in der Stadthalle Neuss wurde sein Theaterstück „Irrwege der modernen Kunstinterpretation“ aufgeführt. Dazu hatte die Kunst–AG auf etwa 3x4 Metern eine abstrakte Komposition von Kandinsky kopiert und ein vermeintlicher Kunstexperte brachte seine Interpretation vor, die in einem französischen Weltuntergangsszenario gipfelte, da die Trikolore abgestürzt rechts unten zu sehen war. Der Gag bestand nun darin, dass ein junger Künstler auftrat und sofort erkannte, dass das Bild auf dem Kopf stand, um dann gekonnt den Zuhörern die Qualität der Komposition zu erläutern. Mein Vater wollte belehren! Weiterhin hatten wir unser Wochenendhaus in Brüggen als Rückzugsmöglichkeit /Zufluchtsort oder für Festivitäten, etwa für meine Abifete 1968! Was waren seine Aussagen: Kunst kommt von Können! Gute Lehrer braucht man! Wenn Können und Fleiß auf Begabung treffen, Lehrer und Umgebung passen und die Zeiten es zulassen, kann was draus werden! Seine Beispiele für dieses glückliche Zusammentreffen waren der Surrealist (aus dem Rheinland/Brühl): Max Ernst und weltbekannt Pablo Picasso, „dieses top trainierte intelligente Gewaltgenie, der alle Altlasten der Kunstgeschichte in sich aufgesogen hatte“, wie mein Vater es formulierte. Wir vier Kinder mussten alle was vernünftiges studieren, denn Kunst ist brotlos! (Wahrscheinlich erkannte mein Vater, dass es mit der Begabung bei uns Kindern nicht so weit her war).


In der Literatur schätze er zwar den Rheinländer Heinrich Böll, aber das künstlerische Urviech Günther Grass mit seiner Bildsprache war ihm näher. Dieses erläuterte er gerne an der Szene in der Blechtrommel, wo der abgehackte Pferdekopf zum Fischen ins Wasser geworfen wurde und dann nach Tagen herausgezogen ward. Viele Aale hingen aus dem Schädel heraus. In den Wohlstandsjahren nach 1958 fuhren wir während der Sommerferien meist nach Italien, etwa nach Limone an den Gardasee. Dort in der südlichen Sonne malte Johann-Heinrich viele Aquarelle und einige ölbilder.

Wir Kinder mussten romanische und gotische Kirchen besichtigten, wurden in die Museen geschleift und erst viel später erkannten wir, welch ein Schatz es ist ,wenn einem die Augen und der Verstand geöffnet werden von einem Künstler, der geschulte Augen hat und zugleich in der Kunstgeschichte zuhause ist. Egal ob Rembrandts Nachtwache, Grünewalds Isenheimer Altar oder der aufkommende Impressionismus in den späten Bildern Corots im Louvre. Er konnte es erklären, vergleichen, einordnen. Er hatte einen anderen besonderen Zugang zu diesen Werken. Später, als er schon Pensioniert war, traf sich manchmal die Großfamilie, etwa bei einer Cezanne Ausstelllung in Tübingen, um meinen Vater dort „LIVE“ zu erleben. Einfügen: Vergessen will ich nicht, dass mein Vater ein politischer Mensch war, der keinem Kampf, für das von ihm als richtig erkannte, aus dem Weg ging. Als er etwa in den beginnenden fünfziger Jahren hier in Brüggen für die konfessionsübergreifende Schule kämpfte, mit der Reaktion der männlichen Kirchgänger, dass nach der Sonntagspredigt des neuen kath. Pfarrers, - dieser war gegen diese Gemeinschaftsschule -, „man dem Maler doch die Scheiben einschmeißen gehen solle!“. Der dritte Lebensabschnitt spielt in der Eifel in den Jahren 1974–1997, nach der Trennung von meiner Mutter und nach seiner Pensionierung. Es gelingt ihm, auch dank zweier für ihn wichtiger Frauen, in entsprechend interessierten und betuchten Kreisen Zutritt zu bekommen; er hat einige Malschüler, hält Vorträge, gibt Malkurse, verkauft seine Bilder bis ins hohe Alter.

Da insbesondere seine Ginsterbilder bei den Zahnärzten der Eifel beliebt waren gab es hier fast eine Art Serienproduktion des gleichen Motivs: Ginster vor der Hohen Acht!


Seine Malreisen meist nach Südeuropa unternimmt er jährlich und stets in weiblicher Begleitung, etwa nach Ischia, zuletzt noch mit 86 Jahren. Diese Anerkennung als Künstler ist für ihn Lebenselixier. Körperlich fit hält er sich durch seine vielen eigenen Bauvorhaben und Haussanierungen bei den jeweiligen Lebenspartnerinnen. Er erfreut sich guter Gesundheit und es ist geradezu beneidenswert, auf welcher Weihrauchwelle mein Vater als Künstler bis zu seinem Tode segelte. Mit 87 Jahren fährt er mit seinen Zweisitzer zu uns nach Bayern zur Hochzeit meiner Tochter, hält eine gekonnte Rede; in dem anschließenden Urlaub malt er sechs ölgemälde und einige Aquarelle. Dass er danach bei Ausbesserungsarbeiten auf dem eigenen Garagendach so unglücklich stürzt und binnen weniger Stunden stirbt, war schmerzlich für Familie und Freunde, entsprach allerdings seinem Wunsch: Denn Angst vor dem Tod hatte er nicht, nur vor dem eventuell Leiden müssen! Er war übrigens Anhänger der Meinung, dass in der Hölle die interessanteren Menschen leben. Mein Vater war energiegeladen, nicht weise, eher ungeduldig und zupackend.



Im Namen der Familie bedanke ich mich herzlich bei der Gemeinde Brüggen, hier vertreten durch den Bürgermeister Herrn Gottwald, für die Ausrichtung dieser Ausstellung, sowie bei Frau Judith Zybell für das operative Gelingen. Inzwischen gibt es eine eigene Homepage Johann-Heinrich-Gillessen, die Herr Johann Föhles selbst malender Sohn des ersten Malschülers meines Vaters gestaltet hat. Herr Otto Lehmann hatte nicht nur die Idee den Jahreszeitlichen Ablauf in den Mittelpunkt dieser Ausstellung zu rücken, sondern hat mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen den Katalog gestaltet, den ich Ihnen für 8€ zum Kauf gerne anempfehlen möchte. Sie finden dort neben einigen Begebenheiten, was mein Vater in Brüggen alles angestellt hat, vor allem viele Farbreproduktionen seiner Bilder.

Freuen Sie sich heute an dem, was länger bleibt: Seinen Bildern!
Vielen Dank!

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